Vor 20 Jahren, als ich mit meinem Studium in Visueller Kommunikation gestartet bin, hatte ich einen ziemlich konkreten Wunsch: Ich wollte ein Kabel, das ich direkt an meinen Kopf anschließen kann — und das meine Gedanken und Skizzen einfach auf den Bildschirm überträgt. Weil ganz ehrlich: Die Idee war da. Aber der Weg dahin? Skizzieren, scannen, digitalisieren — das hat sich oft wie ein unnötiger Umweg angefühlt.
Heute sind wir ziemlich nah dran. Der Stecker geht zwar noch nicht direkt ins Ohr (wäre auch irgendwie unheimlich), aber ich kann meine Gedanken in einen Prompt übersetzen — und bekomme in Sekunden visuelle Ergebnisse.
Close enough.
Aber was bedeutet das eigentlich für meinen Designprozess? Geht jetzt alles schneller? Ja. Brauch ich überhaupt noch Skizzen? Jein.
Klar, ich kann heute innerhalb weniger Minuten Logos, Keyvisuals oder ganze Bildwelten generieren. Dinge, für die ich früher Stunden oder Tage gebraucht hätte. Das ist beeindruckend — und extrem hilfreich, gerade in frühen Projektphasen.Aber: Geschwindigkeit ist nicht gleich Qualität. Was sich verändert hat, ist weniger das Ergebnis — sondern der Weg dahin.
Früher war mein Prozess ziemlich klar:
Idee → Skizze → Ausarbeitung → Iteration.
Heute sieht das oft eher so aus:
Idee → Prompt → Auswahl → Steuerung.
Ich gestalte weniger im klassischen Sinne — und entscheide dafür mehr. Und genau da liegt die eigentliche Verschiebung: Der Fokus wandert vom Machen hin zum Bewerten. Das klingt erstmal effizient. Ist es auch. Aber es hat einen Haken. Der Bleistift zwingt mich zu denken. Ein Prompt verführt mich dazu, diesen Schritt zu überspringen. Wenn ich skizziere, muss ich Entscheidungen treffen: Was ist wichtig? Was kann weg? Welche Idee trägt wirklich?
Wenn ich generiere, bekomme ich sofort Antworten — auf Fragen, die ich vielleicht noch gar nicht sauber gestellt habe. Das Ergebnis: Viel Output, aber nicht automatisch mehr Klarheit.
Und genau hier zeigt sich auch die Grenze von generativer KI im Corporate Design. KI kann unglaublich gut visualisieren. Aber sie entwickelt keine Markenidentität aus sich heraus. Sie produziert Varianten. Die strategische Richtung, die Haltung und die langfristige Markenführung kommen von uns humans.
Und ohne Richtung wird Gestaltung schnell austauschbar.
Deshalb ist für mich klar: KI ist ein Werkzeug. Aber sie ersetzt nicht das, was gutes Corporate Design eigentlich ausmacht: Bewusste Entscheidungen, gestalterische Haltung — und manchmal eben auch den Umweg über den Bleistift. Oder anders gesagt: Ich komme heute schneller zu Bildern. Aber nicht schneller zu guten Ideen. Und genau deshalb brauchen Kund:innen heute nicht weniger Designer:innen — sondern die richtigen. Nicht die, die möglichst schnell möglichst viele Varianten erzeugen. Sondern die, die wissen, welche davon überhaupt sinnvoll sind. Die KI bedienen kann inzwischen fast jede:r. Aber sie strategisch einzusetzen, einzuordnen und in eine klare Markenidentität zu übersetzen — das ist die eigentliche Arbeit. Ich verstehe KI nicht als Abkürzung, sondern als Verstärker. Für gute Ideen genauso wie für schlechte.
Und genau da komme ich ins Spiel: Ich helfe dabei, aus Möglichkeiten Entscheidungen zu machen. Aus Varianten eine Richtung. Und aus visuellen Ergebnissen eine Marke, die langfristig funktioniert — nicht nur im nächsten Pitch, sondern auch in 10 Jahren noch.
Denn am Ende geht es nicht darum, was möglich ist. Sondern darum, was sinnvoll ist.

